Interview mit Alaa AlKurdi & Clarissa Gumbinger

Interview mit den Künstlern Alaa AlKurdi und Clarissa Gumbinger,
anläßlich ihrer Ausstellung “Female Dervish” im OKAZ.
OKAZ: Können Sie uns kurz etwas zu Ihrer Person erzählen?
AA: Ich bin Palästinenser aus Syrien, geboren und aufgewachsen in Damaskus, wie auch schon meine Eltern. Meine Großeltern stammen noch direkt aus Palästina und lebten in Safad und Haifa bevor sie 1948 fliehen mussten. Die meiste Zeit habe ich in Damaskus und Dubai gelebt. In Damaskus studierte ich Innenarchitektur und traf später meine Frau Clarissa, mit der ich 2008 nach Österreich ging.
CG: Ich mache derzeit eine Ausbildung zur Kunsttherapeuthin. Nach Damaskus hat es mich verschlagen, da ich meine Sprachkenntnisse in Arabisch vertiefen wollte, allerdings trieb mich meine Liebe zur Kunst immer wieder in die vielen Galerien dort und einer von ihnen traf ich schließlich meinen späteren Mann.
OKAZ: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
AA: Das Malen hat mich schon immer interessiert, schon als kleiner Junge bin ich dagesessen und habe versucht verschiedene Dinge nachzuzeichnen, es hat mir immer großen Spaß gemacht. Später habe ich versucht eine Ausbildung in die Richtung einzuschlagen was sich allerdings als äußerst schwierig erwiesen hat. Man erfährt als Künstler sehr wenig Unterstützung und ohne gute Verbindungen schien es unmöglich auf der Kunstuniversität aufgenommen zu werden. Da ich hier scheiterte musste ich praktisch gezwungenermaßen eine andere Richtung einschlagen und studierte die nächsten 3 Jahre Rechtswissenschaften bis ich meinen heute besten Freund traf, ebenfalls ein Künstler.
Durch ihn fand ich den Mut mich vollends der Kunst zuzuwenden und das Jus-Studium abzubrechen.
CG: Kunst hat mich eigentlich schon immer begleitet. Angefangen hat es mit einfachen Bleistiftzeichnungen in der Schule, was oft auch ein Weg für mich war um Erlebtes zu verarbeiten. Später habe ich viel experimentell mit Acrylfarben gearbeitet, als ich älter wurde und nach und nach auch innerlich ausgeglichener wurde habe ich mich dann auf Ölfarben konzentriert.
OKAZ: Wie sind Ihre Erfahrungen als Künstler in Europa/Österreich? (insbesondere als Palästinenser)
AA: Im persönlichen Bereich habe ich sehr viele gute Erfahrungen mit den Österreichern gemacht, aber man stößt immer wieder auf Schwierigkeiten wenn man versucht Kritik an Israel zu üben. Die aus dem Holocaust resultierenden Schuldgefühle scheinen hier sehr tief verwurzelt zu sein, jedenfalls stößt Kritik hier eigentlich immer auf Gegenkritik und man scheint generell den Palästinensern gegenüber sehr distanziert zu sein.
OKAZ: Was ist ihnen wichtig bei Ihren Kunstwerken, was sollen Sie beim Betrachter auslösen?
AA: Ich möchte die menschliche Seite der Palästinenser hervorheben, wir sind schließlich mehr als Terroristen mit Bomben, wir sind keine Steine. Wir sind Menschen mit Gefühlen wie alle anderen auch. Mir ist es wichtig die verletzliche Seite zu zeigen, ohne irgendwas zu verfälschen. Leute die meine Werke betrachten, sollen den Schmerz fühlen können. Es geht mir nicht darum “nette” Bilder mit Blumen oder dergleichen zu malen, sondern unser unverfälschtes Inneres wiederzugeben.
CG: Ich möchte den Leuten bei meinen Bildern nicht vorschreiben was sie fühlen oder darin sehen sollen, solange es etwas bei Ihnen auslöst. Dies ist jedem selbst überlassen.
Alaa AlKurdi und Clarissa Gumberger leben derzeit in Wien und planen für die kommenden Jahre weitere Galerien und Ausstellungen. Mit ihrem Projekt “Innocent Brushes” unterstützen sie junge Talente und wollen Kunst für alle Kinder unabhängig ihrer Herkunft oder sozialer Schicht zugänglich zu machen.
Ihre Ausstellung im OKAZ: http://okaz.at/female-dervish-ausstellung/











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