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Friday, 17 Sep 10 19:00 - 22:00
Präsentation SUMUD 2010
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Freitag, 17. September, 19.00 Uhr PDF Drucken E-Mail

Ein Quadratkilometer Widerstand

 

„Sumud“-Gruppe kehrt aus Ein-Hilweh zurück

Ein Reisebericht und eine Erstpräsentation aus einem palästinensischen Flüchtlingslager

   

Zwischen 24. Juli und 05. August 2010 hielt sich eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen aus Österreich, Italien und  Deutschland im palästinensischen Flüchtlingslager Ein-Hilweh im Süden des Libanons auf.

Die Gruppe hatte vielschichtige Aufgaben. Neben der Errichtung und Ausstattung eines Multimediazentrums im Sumud-Kulturzentrum, das im Sommer 2009 errichtet wurde, hatte die Gruppe einen politischen und kreativen Auftrag.

In Zusammenarbeit mit der libanesischen Regisseurin Arab Lotfi wurde ein Filmworkshop veranstaltet. Jugendliche aus dem Lager lernten den Umgang mit der Kamera und produzierten ihre eigenen Kurzfilme, basierend auf eigenen Ideen.

Politische Treffen mit den verschiedenen palästinensischen und libanesischen Widerstandsorganisationen, sowie die Feldbesuche im Lager und im Südlibanon lieferten das Material für eine eigene Bild- und Filmdokumentation des Lebens der Palästinenser im Libanon.

 

Am Samstag, 17. September 2010, 19.00 Uhr präsentieren die österreichischen DelegationsteilnehmerInnen im Österreichisch-Arabischen Kulturzentrum (OKAZ) die ersten Ergebnisse des Workshops, erste Bearbeitungen des Filmmaterials und die Bildaufnahmen aus dem Flüchtlingslager, sowie aus dem befreiten Südlibanon.

 

Es ist ein Reisebericht aus einer vergessenen Welt, in der die palästinensischen Flüchtlinge in einer andersartigen Apartheid leben, d.h. ihnen alle politischen und sozialen Rechte verweigert werden. Diskutiert wird auch das neue Gesetz, das den Palästinensern angeblich Arbeitserlaubnis und Zugang zu allen Berufszweigen gewährt. Berufe wie Arzt, Anwalt, Buchhalter dürfen jedoch weiterhin nicht ausgeübt werden, ebenso wird das Recht auf Grundbesitz verweigert.

Es sind aber auch Beobachtungen aus einer Welt, wo die Weltordnung aufhört und der Willen zum Widerstand und die Träume von der Rückkehr nach Palästina beginnen.

 

Die Sumud-Gruppe berichtet über ihren Besuch in einem Quadratkilometer Widerstand.

 

 
Sonntag, 05. September, 18.00 Uhr PDF Drucken E-Mail

Algerischer Schriftsteller Tahir Wattar gestorben
Ein weiterer großer Verlust für die arabische Kultur

 Die am 5. September 2010 geplante Präsentation seines Romans „Das Erdbeben“ im Österreichisch-Arabischen Kulturzentrum wird nun zur Hommage, bei der Wattar und seinen Werken gedacht wird.

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 Am Donnerstag 12. August 2010 starb der algerische Schriftsteller Tahir Wattar in seinem vierundsiebzigsten Lebensjahr. Der linke Algerier war Autor mehrerer herausragender Werke des arabischen Romans, die besonders im sozialistischen Lager als Musterwerke des Sozialrealismus in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden.

 Wattar schloss sich 1956 der algerischen Revolution an und blieb bis 1984 Mitglied in der Nationalen Befreiungsfront (FLN), wo er wegen der Veröffentlichung einer zu kritischen Kurzgeschichte („Die Negerin und der Offizier“) in Frühpension geschickt wurde. In der FLN galt er als Kommunist und zählte zur linken Opposition. Gleich nach der Unabhängigkeit Algeriens gründete er mehrere linke politische und kulturelle Zeitschriften, die als kommunistische Medien sukzessive verboten wurden. Er opponierte gegen den Putsch von Houari Boumedienne gegen Ahmad Ben Bella und plädierte für Demokratie. Auch 1990 war Wattar einer von wenigen säkularen Intellektuellen, die den Militärputsch der Armee gegen die Wahlen ablehnten und die Anerkennung des Wahlsiegs der islamischen FIS verlangten. Während des algerischen Bürgerkriegs der Neunziger lehnte er den Begriff Terrorismus ab und zog die Definition „Gewalt und Gegengewalt“ vor. Er verließ aus Protest seine Position im staatlichen Radio.

 Seine frühen Romane behandelten die Herausforderungen im Aufbau des modernen Staates und der modernen Gesellschaft in Algerien sowie das widersprüchliche Verhältnis zur Moderne. In einem seiner Romanen beschrieb er die neuen Regenten folgendermaßen: „Von der Moderne übernahmen sie einzig Waffen, um den Bürger zu tyrannisieren und das Radio, um ihm Kopfschmerzen zu verursachen. Und bei beiden sind sie nur Konsumenten.“

Schon im seinem ersten Roman (L’as, 1974) gab er ein entmystifiziertes Bild der algerischen Revolution und schilderte die Kinderkrankheiten der Bewegung, die später zu ihren chronischen Schwächen wurden. In der Kurzgeschichtensammlung „Die Märtyrer kehren diese Woche zurück“ nimmt die Kritik einen schärferen, jedoch humoristischen Charakter. In seinem zweiten Roman, „Das Erdbeben“, stellte er den vehementen Widerstand des Bürgertums gegen die Agrarreform dar. Er kritisierte in mehreren Arbeiten die Korruption des aufgeblähten Staatsapparats und warnte vor einer neu entstandenen postkolonialen Elite, die er als Handlanger Frankreichs in Algerien betrachtete. In diesem Kampf war Wattar unerbittlich und neigte zu Exzessen: 1993 schockierte Wattar die intellektuelle Elite, als er den Mord an den frankophonen Schrifstellers Tahir Jaout mit den Worten kommentierte: „Keiner wird ihn vermissen, außer seine Mutter und Frankreich“.

 In seinen späteren Werken tendierte Wattar literarisch zum Experimentieren und befasste sich in einer sehr mutigen Art mit dem Niedergang der Linke und mit der neu entstandenen islamischen Bewegung.

 Auf kultureller Ebene war Wattar ein Kämpfer gegen das frankophone Algerien und plädierte für eine Re-Arabisierung des Landes, welche auf keinen Fall die kulturellen Besonderheiten der Amazighis (Berber) vernachlässigen dürfe. Er gilt als der Begründer des arabischsprachigen algerischen Romans. 1989 gründete er die Gesellschaft „Al-Dschahisiyya“. Benannt nach dem arabischen Schriftsteller und Linguisten aus der Abaasiden-Zeit, widmet sich diese Gesellschaft der Förderung der arabischen Sprache und Literatur in Algerien. Dies erklärt die Vernachlässigung seiner Werke in den westlichen Ländern.

 Die Beziehung zwischen dem Intellektuellen und der Behörde blieb sein politisches und literarisches Leben lang ein Hauptanliegen. Dem Thema widmete er auch seinen letzten Roman „Eine Hymne über das Kriechen“.

Wattar war ein Musterbeispiel des organischen Intellektuellen im Gramscianischen Sinne. Mit seinem Tod verliert die algerische und die gesamtarabische Kulturbewegung nicht nur einen hervorragenden Romanschriftsteller und einen gewitzten Erzähler, sondern auch einen unerbittlichen Kämpfer für die Erhaltung der progressiven emanzipatorischen arabischen Kultur.

 
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